Eisen: Häufig bei Frauen defizitär – aber nur bei nachgewiesenem Mangel sinnvoll

Eisen ist eines der am häufigsten diskutierten Mineralstoffe in der Nahrungsergänzung – und gleichzeitig eines, bei dem blinde Supplementierung besonders problematisch sein kann. Denn anders als bei den meisten Vitaminen gilt hier: Zu viel Eisen ist schädlich. Dieser Artikel erklärt, wer tatsächlich supplementieren sollte, warum Frauen besonders gefährdet sind – und warum ein Bluttest vor der Einnahme Pflicht ist.

Die Rolle von Eisen im Körper

Eisen ist ein essenzielles Spurenelement mit zentraler Funktion für den Sauerstofftransport: Als Bestandteil von Hämoglobin in den roten Blutkörperchen und Myoglobin im Muskelgewebe ermöglicht es die Bindung und den Transport von Sauerstoff durch den Organismus. Darüber hinaus ist Eisen an der DNA-Synthese, der Immunfunktion und zahlreichen Enzymreaktionen beteiligt. Auch die Mitochondrien – zentrale Energieproduzenten der Zelle – sind auf ausreichend Eisen angewiesen.

Warum Frauen besonders betroffen sind

Eisenmangel ist die weltweit häufigste Mikronährstoffdefizienz – und Frauen im gebärfähigen Alter sind unverhältnismäßig stark betroffen. Der Grund: die monatlichen Blutverluste durch die Menstruation. Frauen mit starker Regelblutung (Menorrhagie) verlieren pro Zyklus deutlich mehr Eisen, als über die normale Ernährung ersetzt werden kann. Schwangerschaft und Stillzeit erhöhen den Bedarf nochmals erheblich.

Auch Leistungssportlerinnen, Vegetarierinnen und Veganerinnen gehören zu den Risikogruppen. Pflanzliches Eisen (Nicht-Häm-Eisen) wird deutlich schlechter resorbiert als tierisches Eisen (Häm-Eisen), und bestimmte Pflanzeninhaltsstoffe wie Phytate und Polyphenole hemmen die Eisenabsorption zusätzlich.

Symptome eines Eisenmangels

Ein Eisenmangel entwickelt sich schleichend und zeigt sich oft zunächst ohne Anämie – in der Phase des latenten Eisenmangels sind die Speicher bereits erschöpft, das Blutbild jedoch noch normal. Typische Symptome sind anhaltende Müdigkeit und Erschöpfung, Konzentrationsprobleme und verminderte kognitive Leistung, Haarausfall und brüchige Nägel, blasse Haut, Mundwinkelrhagaden sowie Restless-Legs-Syndrom. Erst bei fortgeschrittenem Mangel entwickelt sich eine Eisenmangelanämie mit niedrigem Hämoglobin.

Das Wichtigste: Erst testen, dann supplementieren

Eisen ist eines der wenigen Mineralstoffe, bei denen eine Überversorgung ernstzunehmende Gesundheitsrisiken birgt. Überschüssiges Eisen wird im Körper gespeichert und kann zu oxidativem Stress, Leberschäden und erhöhtem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes führen. Häufige Eiseneinnahme ohne Mangel ist daher kontraindiziert. Für die Diagnose relevant sind folgende Laborwerte: Ferritin (Eisenspeicher), Serumeisen und Transferrinsättigung sowie Hämoglobin und MCV im Blutbild.

Ferritin unter 30 ng/ml gilt als latenter Eisenmangel, unter 12 ng/ml als manifester Mangel. Gleichzeitig sollte Ferritin nicht übermäßig hoch sein – Werte über 200–300 ng/ml bei Frauen und über 300–400 ng/ml bei Männern können auf eine Eisenspeichererkrankung (Hämochromatose) oder chronische Entzündung hinweisen.

Supplementierung: Formen und Dosierung

Nicht alle Eisenpräparate sind gleich gut verträglich. Klassische Eisensulfate sind zwar günstig, aber häufig schlecht verträglich (Verstopfung, Magenprobleme). Besser verträgliche Alternativen sind Eisenbisglycinate (Chelat-Eisen), die trotz niedrigerer Dosis eine gute Absorptionsrate zeigen, sowie liposomales Eisen für besonders empfindliche Personen. Die Einnahme sollte auf nüchternen Magen oder mit Vitamin C (erhöht die Absorption) erfolgen, jedoch nicht zusammen mit Kalzium, Kaffee oder schwarzem Tee (hemmen die Resorption).

Die Dosierung richtet sich nach dem Grad des Mangels und sollte idealerweise ärztlich begleitet werden. Typische Supplementierungsdosen liegen zwischen 18–100 mg elementarem Eisen täglich. Nach 4–8 Wochen empfiehlt sich eine Kontrollmessung des Ferritinspiegels.

Fazit

Eisen ist unverzichtbar – aber nur, wenn ein Mangel vorliegt. Frauen im gebärfähigen Alter, Vegetarierinnen und Sportlerinnen sollten ihren Ferritinspiegel regelmäßig kontrollieren lassen, da ein latenter Mangel häufig und folgenreich ist. Wer einen Mangel nachgewiesen hat, profitiert von einer gezielten Supplementierung mit einem gut verträglichen Präparat. Alle anderen sollten auf eine eisenreiche Ernährung setzen und auf unkontrollierte Nahrungsergänzung verzichten.

Quellen

  1. WHO (2001). Iron Deficiency Anaemia: Assessment, Prevention and Control. World Health Organization, Geneva.
  2. Camaschella, C. (2015). Iron-deficiency anemia. New England Journal of Medicine, 372(19), 1832–1843.
  3. Hurrell, R. & Egli, I. (2010). Iron bioavailability and dietary reference values. American Journal of Clinical Nutrition, 91(5), 1461S–1467S.

Beitrag veröffentlicht

in

von

Schlagwörter:

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert